Familie

Familie – ein einfaches Wort für ein komplexes Phänomen der Moderne. Die Familie im traditionellen Sinne – Vater, Mutter, Kinder – tritt immer mehr in den Hintergrund. Vielmehr denkt man heute eher an Patchwork, Scheidung, Adoptionen, allein erziehende Mütter etc. Überlegen Sie sich doch einmal, wie viele „traditionelle“ Familien in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld noch existieren?!

Die traditionelle Mutterrolle, der „Angel in the House“ wie es im viktorianischen England immer hieß, ist heute eine emanzipierte Frau, die Karriere macht. Plötzlich gehen Männer in Elternzeit und Frauen verdienen die Brötchen, während Stiefkind 1 (von der ersten Scheidung des Mannes) zusammen mit Stiefkind 2 (von der dritten Scheidung der Frau), dem dritten Stiefkind (adoptiert) das Leben zur Hölle machen.

So oder so ähnlich treffen wir heute auf Strukturen, die für Verwirrung stiften und auf den ersten Blick einen negativen Eindruck hinterlassen. Man stelle sich beispielsweise folgende Begebenheit vor, die wahrscheinlich häufig innerhalb unserer modernen Gesellschaft zu finden ist: Eine moderne, durch die Zeichen der Zeit entstandene Familie gerät beispielsweise im Zuge eines besinnlichen, friedlichen Weihnachtsfestes völlig ins Trudeln.

Zehn Jahre sind vergangen, die einstigen Kinder von gestern sind groß geworden, haben sich trotz der Erfahrung ihrer Eltern selbst auf das Wagnis Liebe eingelassen und haben zusätzlich zu dem Platz in ihrer eigenen Patchworkfamilie auch ihre Rolle in der Patchworkfamilie ihres Partners übernommen.

Stellen wir uns einmal ein junges Mädchen vor (wir nennen es Sofia), die an Weihnachten ihr Organisationstalent unter Beweis zu stellen hat. Heilig Abend geht sie zunächst mit ihrem Freund Jan und seiner Familie in die Kirche. Danach heißt es: Ab zu ihrem Bruder nach Hause, wo ihre Mutter, deren neuer Lebensgefährte, die Partnerin ihres Bruders mit deren momentan etwas depressiven Mutter und Großmutter (auch ihre Eltern trennten sich vor kurzem) warten, um spät in der Nacht zurück zu Jan zu fahren, da sie versprochen hat, mit ihrer Schwiegermutter in die Kirche zu gehen.

Nach der Vollendung dieses Plans am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertag, fährt sie auf dem Nachhauseweg noch schnell mit dem grummelnden Jan bei ihrem Vater vorbei, bevor bei ihrer Mutter zuhause die Kinder ihres neuen Mannes mit Partnern und Kinder auflaufen, was die festliche Tafel an den Rand des Überlaufens bringt.

Völlig erschöpft geht also der erste Weihnachtsfeiertag zu Ende, um am nächsten Morgen frisch erholt und voller Weihnachtsstimmung zu ihren Großeltern und weiteren Verwandten aufzubrechen, die eine Autostunde entfernt wohnen, bevor dann nach dem letzten Termin mit ihrem Vater am Abend letztlich noch Sofias Freundinnen warten, um ihr fröhliche Weihnachten zu wünschen.

Von Weihnachtsstimmung also keine Spur mehr: Freizeitstress pur. Dennoch bringen moderne Familienstrukturen auch einige Vorteile mit sich: Man lernt schon als Kind, sich um andere zu kümmern, übt Perspektivenwechsel, Empathie und Toleranz. Viele soziale Kompetenzen, die in der modernen Patchworkfamilie erworben wurden, helfen auch bei der eigenen Familienplanung weiter. Gemeinsame Freizeitgestaltung ist da besonderst wichtigt. Es sollte also festgehalten werden: Ob modern oder traditionell: Was zählt ist eine gesunde Bindung zwischen Eltern und Kind, eine verlässliche, liebevolle Erziehung.

Interessant war auch die Generationen übergreifende Hysterie während der Weltmeisterschaft in Deutschland. Anfangs waren Mütter oftmals noch zurückhaltend, Kinder, Jugendliche und Väter bereits völlig im Fußballfieber. Dieses Phänomen steckte aber schnell alle an – ob jung oder alt – alle haben mit der Nationalmannschaft gefiebert. Von Trikots und Abziehbildchen, bis hin zu Schminkfarben und Autoflaggen in Schwarz-Rot-Gold, war die ganze Nation eins – das moderne Deutschland.